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Wanderer, kommst Du nach Dabiq oder was Politik mit Storytelling zu tun hat

Politisches Handeln wird oft erklärt mit einer Erzählung, die den Menschen das durchgesetzte Interesse als Konsequenz einer kausalen Ereigniskette und Notwendigkeit vorführt. Und fast immer setzten sich in der Politik die Interessen durch, die die bessere Geschichte erzählen, die für die Ängste und Sehnsüchte ihres Publikums eine Story mit Happy End erfunden haben.

Spätestens seit dem Silvesterabend 2015/1016 tauchen in mehreren deutschen Städten gleichzeitig Hunderte von jungen Männern auf, die organisiert Frauen und Männer angreifen und belästigen. Sie gehen methodisch vor: erst große Gruppen aufschrecken, dann in kleinen Gruppen die Opfer einkreisen und praktisch unerkannt verschwinden. So was muss man üben und trainieren.

Derartige Taten bei Massenveranstaltungen gibt es seit Jahren in Nordafrika, zuerst wurden sie in Ägypten beobachtet. Bei den Krawallen am Tahrir-Platz in Kairo sorgten sie weltweit für Entsetzen. Die Frauen unter den friedlichen Protestierenden und Besetzern des Tahir Platzes wurden – genauso wie in Köln und anderswo- von Gruppen von Männern angegriffen, vergewaltigt, geschlagen und ließen die überraschten Protestierenden genauso hilflos zurück wie die deutsche Zivilbevölkerung und Polizei. Das sind keine sexuellen Angriffe, das ist ideologische Kriegsführung.

In Kairo hat man damals die Muslim Brotherhood hinter den Attacken vermutet. Die Taten wurden jedoch nie wirklich aufgeklärt. Aber es gab Männer, die erzählten, dass sie von den Muslimbrüdern bezahlt wurden und das Geld einfach brauchten. Als im letzten Jahr die Flüchtlingsströme immer größer wurden und Grenzen durchlässiger, hätten die Kämpfer und Führer des IS ja auch wirklich dämlich gewesen müssen, sich diese Lücke nicht zu Nutze zu machen. Sie haben die Mittel ihre Männer mit Geld und Pässen zu versorgen und als syrische Flüchtlinge nach Europa einzuschleusen. Natürlich sind also unter den Flüchtlingen unzählige, vielleicht Tausende von IS Söldnern, die Anschläge vorbereiten und durchführen werden und die mit Diebstahl, Terror und sexueller Gewalt die Zivilgesellschaft angreifen. Sie sollen Angst und Schrecken verbreiten. Das weiß die Bundesregierung sicherlich auch. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie die Muslim Brotherhood oder der Islamische Staat in Nordafrika in den Slums Männer rekrutieren – wie sie es in Kairo getan haben und ihnen die Einreise nach Europa zu finanzieren, um hier die Flüchtlingspolitik zu unterlaufen und die Konflikte zu verschärfen. Der Krieg soll in die westlichen Territorien getragen werden, mit Anschlägen, mit Terror, nicht um ihn damit zu gewinnen, sondern um die Verteidiger des Abendlands in den westlichen Ländern zu stärken, weil nur die wirklich bereit wären, mit Bodentruppen gegen die Milizen des IS loszuziehen. Sie erzählen sich nämlich die gleiche Geschichte.

In einer Parallelhandlung fährt nun ein Provinzpolitiker nach Moskau und wird dort von Putin selbst empfangen. Der russische Staat leidet unter den Wirtschaftssanktionen. Unter den Sanktionen – und unter Merkel– leidet der deutsche Provinzpolitiker auch. Die deutsche Wirtschaft verliert im totgesparten europäischen Binnenraum Absatzmärkte, der russische Markt war einmal vielversprechend. Jetzt kämpft die russische Regierung um ihr Überleben. Türkisch, in unterschiedlichen Dialekten, ist die gemeinsame Sprache aller Turkvölker, die vom Pazifik bis zum Bosporus in einem geschlossenen Gürtel ein riesiges Territorium und eine gemeinsame Story bilden. Die Uiguren in China sprechen einen türkischen Dialekt, genauso wie die Kasachen, Turkmenen, und alle Völker ehemaligen Sowjetrepubliken im Süden, die einen Großteil der IS Kämpfer stellen. So wundert es nur wenig, dass die russische Propaganda nachweislich Schauspieler und Schauspielerinnen bezahlt, um Geschichten von Übergriffen muslimischer Flüchtlinge auf christliche Frauen zu verbreiten. Hier wird die Story nicht nur geschrieben, sondern auch gleich verfilmt. Der Fall der Russlanddeutschen Lisa ist nur einer davon. Der russische Staat unterstützt ausländerfeindliche Bewegungen in ganz Europa, die Pegidas, den AfD, nachweislich den Front National in Frankreich, der zugegeben hat, mehrere Millionen Euro aus Moskau erhalten zu haben. Und es sind russische Hacker, deren Cyberattacken den Bundestag, die europäischen Institutionen und diverse Wirtschaftsunternehmen angreifen. Politische Unruhen in den westlichen Ländern und das Auseinanderfallen der Europäischen Union würden Russland stärken und zur dominanten Macht in Europa machen.

Und so endet die Geschichte: Der IS ist eine religiöse Gruppe, deren Glauben und Koranauslegung der Schlüssel für ihren Zusammenhalt ist. Territorium ist der erste Schlüssel. Mit der Eroberung des Territoriums konnte der IS das Kalifat ausrufen und damit jeden Muslim zum Ketzer erklären, der sich nicht umgehend auf den Weg macht, nun im Kalifat zu leben, wie es der Koran nach ihrer Meinung vorschreibt. Eine andere Prophezeiung des Korans, ist die nahende Apokalypse und Wiedergeburt, deren Ablauf der Koran so beschreibt, dass der Islamische Staat die Armee von ‚Rom’ im Westen Syriens bei der Stadt Dabiq erwarten wird und sich dort der Countdown zur Apokalypse einleitet. Deshalb heißt das Online Magazine des IS auch Dabiq. Dabiq ist eine Kleinstadt mit knapp 4000 Einwohnern und liegt etwa 40 km nordöstlich von Aleppo und etwa 10 km südlich der Grenze zwischen der Türkei und Syrien. Im Buch 41, Hadith 6924, steht, dass in Dabiq oder im Amuq muslimische Armeen am Ende der Zeit auf ihre Feinde treffen werden und sie dort vernichtend schlagen. Das ist das Armageddon oder Har-Magedon, die endzeitliche Entscheidungsschlacht. Und diese Story wird auch in der christlichen Bibel von Johannes in seiner Offenbarung erzählt.

Wenn sich die westlichen Armeen also in einen Bodenkrieg auf syrischem Territorium verwickeln lassen, wenn die Römer nach Dabiq kommen, tritt ein wesentliches Element der Prophezeiung ein und beweist damit scheinbar die Richtigkeit der Prophezeiung, der Story, die der IS erzählt und glaubt, das radikale Christentum aber auch. Und weil wir uns so zieren, wird jetzt gezündelt, damit die Verteidiger des Abendlands genau dahin marschieren, wo der IS sie haben will. Es scheint erstaunlich, dass eine Story, in der der Weltuntergang das Happy End ist, sich so erfolgreich verkaufen lässt. Menschen aus allen Teilen der Welt finden Befriedigung in der Vorstellung zu sterben und dabei alle anderen mitzunehmen. Es ist Zeit, ihnen eine bessere Story zu erzählen.

 

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